PM: In Dreieich wird überdurchschnittlich viel geradelt. Warum nicht sichtbar machen?

Die Zahlen beweisen es: In Dreieich wird überdurchschnittlich viel geradelt. Das sollte auch für die Allgemeinheit sichtbar werden.

Dreieich. Mittlerweile sind alle der geplanten 270 Zählstellen in Hessen in Betrieb und übermitteln rund um die Uhr das ganze Jahr über die gewünschten Daten. Aufgestellt wurden sie im Auftrag des Hessischen Wirtschaft.- und Verkehrsministers.

Radschnellweg Symbolbild (2)
Radschnellweg Symbolbild (2)

Seit dem 1. April des Jahres wird auch in Dreieich an sechs Stellen registriert, wie viele Radfahrende hier täglich passieren und es wird deutlich, dass auf Dreieicher Territorium überdurchschnittlich viel geradelt wird. Spitzenreiter ist der Geh-/Radweg zwischen Sprendlingen und Neu Isenburg westlich von der Frankfurter Straße mit durchschnittlich 750 Radelnden pro Tag. An Spitzentagen sind es mehr als 1100 und das, obwohl der Weg viel zu schmal für einen Zweirichtungsverkehr ist, einer Buckelpiste gleicht und neben den vielen Radlern zusätzlich eine wichtige Verbindung für den Fußverkehr ist. Den zweiten Platz belegt die Rostädter Straße mit einem Tagesmittel von 690.

Die sechs Dreieicher Messpunkte registrierten per 15. November insgesamt 3.461 Radelnde, Tag für Tag also 577 pro Zählstelle. Zum Vergleich: der Durchschnitt aller 270 hessischen Zählstellen liegt bei 332. „Damit gewinnen wir wichtige Daten für den Ausbau des Netzes“, erläuterte Wirtschaft.- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir in seiner Ankündigung im vergangenen Jahr.

Die Dreieicher Zählstellen wurden vom städtischen Klimaschutzmanagement in Absprache mit dem Runden Tisch Radverkehr vorgeschlagen. Im Boden verlegte Induktionsschleifen erfassen alle Radler*innen und übertragen ihre Daten über Mobilfunk an einen zentralen Server.

Dieter Fröhlich, ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter der Stadt Dreieich, begrüßt diese Maßnahme ausdrücklich: „Die Zählstellen liefern Fakten, wo bisher nur geschätzt werden konnte, wollte man nicht kostenintensive, individuelle Zählungen durchführen. Menschen, die die Förderung des Radverkehrs kritisch sehen, bringen gerne das Argument, dass sie an besagter Stelle \\'so gut wie nie\\' Radler sehen. Jetzt kann sich jeder online, tagesaktuell und transparent darüber informieren, wie viele Radlerinnen und Radler tatsächlich unterwegs sind“.

Unter https://www.dreieich.de/leben-in-dreieich/mobilitaet-verkehr/radverkehr/radzaehlmessstellen.php sind die Daten im Internet einsehbar. Wer sie aber sehen will, muss sich aktiv informieren. Daher wünscht sich der Klimaschutzmanager der Stadt Dreieich, Theo Felber, eine stationäre, für alle gut sichtbare Zählsäule. Sie zeigt die Daten in Echtzeit an und erhöht so die Motivation zum Radfahren spielerisch, zeigt allen anderen aber auch, wie viel hier tatsächlich geradelt wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in Dreieich, ADFC Dreieich e.V., würde sich ebenfalls freuen, wenn für alle jederzeit sichtbar wird, dass in Dreieich überdurchschnittlich viele Fahrradfahrende unterwegs sind. Ein Jahr nach der Installation wäre dort eine sechsstellige Zahl zu sehen, aufgrund bisheriger Resultate vermutlich weit über 200.000, abhängig vom gewählten Standort.

Wie der ADFC wünschen sich viele Politiker die dringend nötige Verkehrswende. Wenn es aber um Maßnahmen geht, die diese unterstützen sollen, dürfen sie kein Geld kosten. Anders ist die ablehnende Haltung der CDU Dreieich, was die vorgeschlagene Zählstelle betrifft, nicht zu erklären. Stattdessen möchte man mit dem veranschlagten Betrag die allgemeinen Zuschüsse, zum Beispiel für die Jugendarbeit von diversen Vereinen auch außerhalb der Sportförderung, angemessen anheben, wie in der Zeitung zu lesen war.

„Ja, Zuschüsse für die Jugendarbeit in Vereinen sind sehr wichtig, und ja, eine Zählstelle kostet rund 21.000 Euro. Das ist viel Geld“, gibt Oliver Martini vom ADFC-Vorstand zu. „Was aber berücksichtigt werden muss ist, dass auch die angestrebte Verkehrswende eine gute Öffentlichkeitsarbeit erfordert. Deshalb fördert das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr die Investition in eine Radzählstelle finanziell, in der Regel mit 60%. Es bleiben also rund 8000 Euro, die aus der Stadtkasse zu bezahlen wären. Ja, auch das ist Geld. Allerdings erfreuen sich diese Zählstellen, wie das Beispiel Offenbach am Mainufer zeigt, einer hohen Beliebtheit. Sie motivieren nicht nur die Radfahrenden, sondern auch diejenigen, die überlegen, wieder häufiger das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel zu nutzen, wenn es doch so viele andere auch tun. Deshalb sollte die Säule dort stehen, wo sie von vielen Verkehrsteilnehmenden zu sehen ist, am besten am Rad/Gehweg an der Frankfurter Straße von Neu Isenburg kommend.

Auch sollte man auch mal ausrechnen, wie viele der rund 200 Dreieicher Vereine mit 8000 Euro spürbar beglückt werden können. Wird das Geld nach dem Prinzip Gießkanne verteilt, bekommt jeder Verein rund 40 Euro für das ganze Jahr 2023. Ob das angemessen ist (CDU-Wortlaut) und ob das in der Öffentlichkeit so positiv ankommt wie eine gut sichtbare Zählsäule, bleibt fraglich.

Unsere zwei dutzend ehrenamtlichen Tourenleiterinnen und Tourenleiter im Westkreis - auch der ADFC Dreieich e.V. ist ein Dreieicher Verein, der keineswegs im Geld schwimmt – werden ihre jährlich mehr als 200 Radtouren für jedermann und -frau wie bisher gratis durchführen. Sie verzichten auf eine Aufwandsentschädigung und auch die Teilnehmer*innen zahlen nichts, egal ob ADFC-Mitglied oder nicht.
Unser ehrenamtlich tätiges ADFC-Codier-Team sorgt Jahr für Jahr für mehr Diebstahlschutz an hunderten von Fahrrädern gegen einen geringen Beitrag. Die Einnahmen werden dazu verwendet, Dreieicher Institutionen, meist Vereinen, finanziell bei der Anschaffung zeitgemäßer Fahrradabstellanlagen zu helfen. In der Regel geben wir bis zu 1500,- pro Jahr dazu.
Seit fast zwei Jahren vermietet der ADFC Dreieich sein Lastenrad – gratis. Es ist fast ununterbrochen ausgebucht und auf Dreieicher Straßen unterwegs.
Da schmerzt es schon, wenn man sich in einem Verein engagiert, der sich die Förderung des Radfahrens und des Radverkehrs auf die Fahne geschrieben hat, wenn eine politische Partei die Einrichtung einer einzigen Fahrrad-Zählstelle als nutzlose Schaufensteraktion bezeichnet“, erklärt Martini sichtlich enttäuscht und hofft auf ein Umdenken bei den Entscheidern.

(Bild: © HMWEVW – Corinna Spitzbarth)

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