PM: Wie geht es weiter mit der Raddirektverbindung?

Dreieich. Irgendwann wird auch in Dreieich die Entscheidung gefällt werden müssen, auf welcher Route der FRM1 verlaufen soll. Wollen die Dreieicher Stadtverordneten bei ihrem Beschluss von 2018 bleiben, oder werden sie sich für eine andere Route entscheiden. Ausreichend Varianten sind ja im Gespräch. Wichtig dabei ist auch die Kommunikation mit unseren Nachbarkommunen. Diese planen derzeit mit den vereinbarten Anschlusspunkten am Modellflugplatz in Langen und im Wald in der Nähe der Siemensstraße in Neu-Isenburg.

Radschnellweg Symbolbild (1)
Radschnellweg Symbolbild (1)

Die Mitglieder der AG Radverkehr des ADFC Dreieich bleiben bei ihrem Standpunkt: „Es gibt keine ideale Route, sondern bestenfalls von allen schlechten eine am wenigsten schlechte“. Das ist nicht verwunderlich, denn mehr als die Hälfte der gesamten Strecke zwischen Darmstadt und Frankfurt wird innerorts durch bebautes Gebiet verlaufen, in Dreieich und anderswo. Entweder ist eine Bahnlinie im Weg, viele Straßen sind zu überqueren oder sind zu schmal, die Route verläuft irgendwo im Wald, oder Anlieger gehen mit kruden Argumenten auf die Barrikaden, weil sie fürchten, dass sie ihre Autos nicht länger im öffentlichen Raum vor der Haustür abstellen dürfen.“

„Egal, wo schlussendlich der FRM1 verlaufen wird, es wird gegen jede Variante Proteste geben“, da sind sich Oliver Martini und seine Mitstreiter*innen vom ADFC Dreieich einig. „Wo genau die Route durch Dreieich verlaufen wird, spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Wichtig für eine hohe Akzeptanz bei Dreieicher Radlerinnen und Radlern sind praxisgerechte Zubringer mit dem Status einer Fahrradstraße, die sich auch wirklich so nennen darf. Und wir sollten nicht davon ausgehen, dass der Radschnellweg, der woanders Komfortradweg genannt wird, vorrangig für Fahrten zwischen den beiden großen Städten genutzt wird. Wir dürfen die vielen Fahrten zwischen den Orten, die dazwischen liegen, nicht außer Acht lassen. Die Erfahrung zeigt, dass sie über die Hälfte ausmachen. Der bereits fertige Abschnitt des FRM1 zeigt deutlich eine starke Nutzung, obwohl es an beiden Enden derzeit noch nicht so elegant weiter geht. Auch viele andere Radschnellwege in Deutschland und in anderen Ländern verlaufen durch Städte. Damit werden die Menschen, die dort wohnen, angebunden. Kleine Umwege sind akzeptabel, wenn dadurch wesentlich mehr Menschen an den Raddirektweg angebunden werden und so von ihm profitieren. Insofern würde man bei einer durch Sprendlingen verlaufenden Route keinen Sonderweg gehen“.

Genauso wichtig wie Radschnellweg-Zubringer ist für den ADFC Dreieich ein praxisgerechtes Radnetz für das gesamte Dreieicher Gebiet. Die Hälfte aller Wege, die wir zurücklegen, sind bekanntlich maximal fünf Kilometer lang und genau diese Strecken lassen sich mit dem Fahrrad zügig bewältigen, sofern die Infrastruktur dafür vorhanden ist. Professionell ausgearbeitete Vorschläge für ein solches Netz präsentierte der ADFC Dreieich am Runden Tisch Radverkehr im vergangenen Jahr.

Wenn es demnächst in der Dreieicher Stadtverordnetenversammlung zur Abstimmung kommt, müssen unsere Politiker nicht nur zwischen Routenvarianten wählen, sondern auch entscheiden, mit welcher Gruppe von Protestierenden sie es sich verderben wollen, also mit Anwohnern der zukünftigen Route, die sich durch geräuschlose, abgasfreie Radler belästigt fühlen, oder mit Naturschützern, die keinen Radweg durch den Bannwald wollen. Nach einer Verkehrswende sieht es in unserem Städtchen jedenfalls noch nicht aus, obwohl die hessenweite Unterschriftensammlung für den Volksentscheid Verkehrswende auf äußerst positive Resonanz trifft. Die meisten Menschen erkennen, dass es mit unserer Kfz-dominierten, individuellen Mobilität so nicht weiter gehen kann. Leider gibt es aber auch genug, die die Verkehrswende gern hätten, jedoch ohne persönliche Einschränkungen.

„Wir sind sehr gespannt, wie sich unsere Dreieicher Politiker*innen in Sachen FRM1-Routenführung entscheiden werden. Das wird auch Aufschluss darüber geben, wie ernst sie das Thema Verkehrswende insgesamt nehmen. Lassen sie lieber Bäume im Bannwald fällen, oder sorgen sie dafür, dass Fahrbahnen wieder befahren werden, anstatt als Parkplätze zu dienen“, schließt Martini.

(Bild: © HMWEVW – Corinna Spitzbarth)

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