PM: ADFC-Fahrradklimatest 2020 – Ergebnisse für Dreieich erzeugen beim ADFC verhaltene Freude

Dreieich. „Ersten Platz im Landkreis gehalten, trotz leicht schlechterer Gesamtnote“, so fasst Oliver Martini, Vorstandsmitglied des ADFC-Dreieich, nüchtern das Dreieicher Ergebnis des Fahrradklimatests 2020 zusammen.

Der benutzungspflichtige Rad/ Gehweg ist blockiert. Das erfordert ein gefährliches Ausweichen auf die Fahrbahn der Eisenbahnstraße.
Der benutzungspflichtige Rad/ Gehweg ist blockiert. Das erfordert ein gefährliches Ausweichen auf die Fahrbahn der Eisenbahnstraße.

Mit der Gesamtnote 3,51 liegt Dreieich besser als der Bundesdurchschnitt, der bei 3,9 liegt. Beides ist weit entfernt von der Note GUT, nimmt man das Schulnotensystem als Messlatte. Betrachtet man die Noten der Vorjahre, erkennt man leider im gesamten Bundesgebiet keinen Aufwärtstrend in der Benotung, trotz zig Millionen Euro, die von Bund und Land für die Förderung des Radverkehrs zur Verfügung gestellt wurden.

In Dreieich wurde in 2012 die Note 3,4 erreicht, ebenso bei den beiden darauf folgenden Tests. 2018 kam dann ein kleiner Sprung nach oben, um nun auf 3,5 abzufallen.

Wenn Dreieich mit seiner gleichbleibend „mittelmäßigen“ Note trotzdem jedes Mal zu den „Guten“ gehört, muss man zur Kenntnis nehmen, dass es in den meisten Kommunen weniger gut aussieht. „Von ADFC-Kolleginnen und Kollegen wissen wir, wir schwer sie es in ihrer Stadt, in ihrem Landkreis, bisher hatten, bei Politik und Verwaltung ein offenes Ohr für die Förderung des Radverkehrs zu finden. Das kann aber nur wenig trösten“ meint Martini, „Deshalb blicken wir optimistisch in die Zukunft. Wir sind sehr gespannt, wie die im Wahlkampf von den politischen Gruppierungen getroffenen Aussagen in die Praxis übertragen werden. Den Radverkehr fördern, das wollten sie mehr oder weniger alle, jedenfalls vor der Kommunalwahl. Da sollten sich doch in Dreieich jetzt politische Mehrheiten pro Fahrrad finden.
Für den Fahrradklimatest 2022 wünschen wir uns für Dreieich endlich eine Note mit einer 2 vor dem Komma. Dazu muss die Dreieicher Politik aber mächtig aufs Tempo drücken. Uns vom ADFC stimmt es traurig, wenn wir die wichtigsten Erkenntnisse lesen“, ergänzt Martini „7 von 10 Radler*innen fühlen sich beim Radfahren nicht sicher, 4 von 5 der Befragten finden die Radwege zu schmal und für 3 von 4 sind mangelnde Falschparker-Kontrollen auf Radwegen ein Problem. Von einer erfolgreichen Entwicklung des Radverkehrs kann man da wohl kaum sprechen.“

Befragt nach den Nöten der Dreieicher Radler*innen meint Oliver Martini, dass fehlende Rücksichtnahme eines der Hauptprobleme ist und verweist auf das neue Gesetz, dass seit kapp einem Jahr zwischen Auto und überholtem Radler ein Mindestabstand von 1,5m zwingend vorgeschrieben ist, was viel zu selten eingehalten wird. Kein Wunder also, wenn sich so viele Radler*innen nicht sicher fühlen. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie auf den Gehweg ausweichen, sogar mit Elektrofahrrädern und so leider zu einer großen Gefahr für Fußgänger werden. Deshalb müssen die Verkehrsträger konsequenter getrennt, und wo dies nicht möglich ist, entschleunigt werden.

Eine eigene Sicht auf das Ergebnis hat Dieter Fröhlich. Er kümmert sich beim ADFC Dreieich u.a. um die Öffentlichkeitsarbeit und ist Mitglied der AG Radverkehr. „Erfahrungsgemäß melden sich ganz allgemein vorrangig die Menschen zu Wort, die Kritik üben wollen. Das wird bei der Teilnahme am Fahrradklimatest nicht anders sein. Bei einem Radverkehrsanteil von fast 20 Prozent in Dreieich laut letzter Erhebung ist die Zahl der Teilnehmer von 151 viel zu niedrig, um ein aussagefähiges Ergebnis zu liefern.
Vielleicht werden Dreieicher Radler*innen auch umso kritischer, je mehr für den Radverkehr in ihrer Stadt getan wird. Nimmt man den Betrachtungszeitraum 2012 bis 2020, so blieb die Gesamtnote nahezu konstant. In dieser Zeit wurden Schutzstreifen markiert, die längste Fahrradstraße Hessens eröffnet, Fahrradabstellanlagen installiert, mobile Radparker für Großveranstaltungen angeschafft, Drängelgitter entfernt, ein komplett neuer Rad/Gehweg von der Darmstädter Straße zur Heinrich-Hertz-Straße gebaut, um nur einige zu nennen. All dies spiegelt sich in der Benotung nicht wieder.
Ich will nichts schön reden, denn auch ich gehöre zu der großen Gruppe, die sich mit dem Rad im Straßenverkehr nicht sicher fühlt. Wer im Berufsverkehr auf der Sprendlinger Hauptstraße unterwegs ist, weiß was ich meine. In meinem Rückspiegel sehe ich ja, was gleich passieren wird. Gesetzlich vorgeschriebener Überholabstand von 1,5m? Fehlanzeige. Mir fehlt es an Respekt gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmern. Solange sich hier nichts spürbar verändert, wird es trotz aller Maßnahmen kaum eine andere Note geben. Das betrifft nicht nur Dreieich.“

Oliver Martini ergänzt noch: „Neben fehlendem Respekt ist ein weiterer Punkt eine Verkehrsinfrastruktur, die Konflikte von vornherein vermeidet. Dazu gehören Infrastrukturmaßnahmen, die auch wirklich zu spüren sind. Die o.e. Maßnahmen sind für uns erste Erfolge und ein Lichtblick. Es gilt jetzt, Mut für die konsequente Berücksichtigung des Radverkehrs zu finden. Ziel muss es sein ein, ganzes Netz aus Fahrradstraßen, Radwegen und Schutzstreifen aufzubauen. In Städten, die den Radverkehr seit vielen Jahren konsequent auf eine Stufe mit dem Kfz-Verkehr stellen, sind solche Netze bereits entstanden. Dort wird diese mutige Politik beim Fahrradklimatest honoriert. Wenn die Dreieicher Politik diesen Beispielen folgt, wird auch unsere Stadt ihr Ergebnis in den nächsten Jahren deutlich verbessern.“

Bildergalerie

7 von 10 Radler*innen fühlen sich nicht sicher. Kein Wunder, wenn sie so wie hier auf der Karlstraße in Dreieich-Sprendlingen bedrängt werden.

7 von 10 Radler*innen fühlen sich nicht sicher. Kein Wunder, wenn sie so wie hier auf der Karlstraße in Dreieich-Sprendlingen bedrängt werden.

Copyright: Oliver Martini

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