PM: ADFC Dreieich plädiert für beide Varianten: Rad-Direktverbindung jetzt, Radschnellweg später

Dreieich. „Das war kein glücklicher Start für ein so wichtiges Projekt“, meint Bernd Kiefer, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Dreieich e.V..

logo adfc dreieich e.V.
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“Die erste Machbarkeitsstudie des Regionalverbandes für einen Radschnellweg konnte leider nicht aufzeigen, in welchem Maße die Radler den Schnellweg nutzen würden. Das ist zugegebenermaßen schwierig, denn wer kann im Voraus sagen, ob er einen Radweg nutzen wird, der noch gar nicht gebaut ist und dessen Details er nicht kennt. Weiterhin können die erforderlichen Standards für einen Radschnellweg derzeit nicht erfüllt werden. Offenbar waren die zuständigen Forstämter nicht von Anfang an einbezogen. Da darf sich eigentlich niemand wundern, wenn von dieser Seite Widerstand zu spüren ist.
Konsequenz: Eine andere Route musste gefunden werden, um die erforderlichen Fördermittel des Landes zu erhalten. Seit Anfang 2016 spricht man in Wiesbaden nicht länger von einem Radschnellweg, sondern von einer Rad-Direktverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt, die auch durch Wohngebiete führt. Diese Sprachregelung übernahmen wir auch am Runden Tisch Radverkehr (RTR) der Stadt Dreieich“.
Entsprechend äußerte sich Erster Stadtrat Martin Burlon am 19.07.2016 gegenüber der Presse: http://www.dreieich.de/c422/m326/d7502/default.html?paginationkdmod_stadtdreieich_pressepool_liste_paging=20
Seit dem 09.08.2011 wurde der geplante Radschnellweg und später die Rad-Direkt-Verbindung regelmäßig am Runden Tisch Radverkehr besprochen. Während ihrer Befahrung am 2. Juli d.J prüften seine Mitglieder vor Ort mögliche Varianten für die Streckenführung durch die Innenstadt Sprendlingens. „Zuvor sind wir vom ADFC die Strecken mehrfach abgefahren, haben die Faktoren Sicherheit, Streckenlänge und Schnelligkeit bewertet und vereinsintern diskutiert, teilweise heftig und kontrovers. Wir kamen schließlich überein, dass es aufgrund der Gegebenheiten eine optimale Route nicht geben kann und entschieden uns für den Kompromiss mit den wenigsten Nachteilen“, ergänzt Kiefer.Die Mitglieder am Runden Tisch Radverkehr stellten ausdrücklich fest, dass für sie ein Radschnellweg mit Streckenführung entlang der Bahn nicht vom Tisch sei. Er hat aus o.g. Gründen nur nicht die erste Priorität.
Man entschied sich, lieber in absehbarer Zeit eine sichere, zügige und obendrein finanziell stark geförderte Nord-Süd-Verbindung durch Sprendlingen zu führen, als 15 bis 20 Jahre auf einen Schnellweg entlang der Bahn zu warten. Eine Rad-Direktverbindung durch Wohngebiete kann durchaus ein zügiges Vorankommen ermöglichen, wenn der Radverkehr dort durch geeignete Maßnahmen Vorrang hat, z.B. durch Einrichtung einer Fahrradstraße. Außerdem stellt sie mit Blick auf die bestehenden und geplanten Radwege (Fahrradstraße vom Bahnhof Buchschlag zum Rathaus) eine ideale Netzergänzung dar.
Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt, dass am RTR je ein Mitglied von sieben Dreieicher Fraktionen sitzt, sowie Vertreter der Stadtverwaltung, eines Planungsbüros für Radverkehr und des ADFC. Von allen Teilnehmern wurde bis dato die Streckenführung durch Sprendlingen nicht gerade bejubelt, aber auch nicht abgelehnt.
Radschnellwege werden gern als Autobahn für Radler bezeichnet. Diesen Zweck sollen sie ja auch erfüllen. Dafür müssen bundesweit Mindeststandards für Wegbreite, Oberflächenbeschaffenheit usw. festgelegt werden. Auch deutsche Autobahnen werden nach klar definierten Vorgaben gebaut und niemand käme auf die Idee, ein Teilstück mit schmaleren Fahrspuren zu bauen, wenn der vorhandene Platz nicht ausreicht, oder sie mit einer wassergebundenen Oberfläche zu versehen, weil das Geld für Beton nicht reicht. Dann wird solange verhandelt, bis die erforderlichen Bedingungen geschaffen wurden und das dauert bekanntlich manchmal viele Jahre. Anders wird es bei einem Radschnellweg entlang der Bahn auch nicht sein.
Für die Autolobbyisten mag jeder Euro, der nicht in den Kfz-Straßenbau gesteckt wird, eine Fehlinvestition sein. Dabei sollten sie sich darüber freuen, wenn immer mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen. Bedeuten doch weniger Autos auf den Straßen mehr Platz für die verbliebenen Autofahrer. Vergessen sollten wir auch nicht, dass über Jahrzehnte Investitionen in die Infrastruktur gleichbedeutend waren mit Straßenbau für den Kfz-Verkehr. Trotzdem konnten damit nicht unsere Verkehrsprobleme gelöst werden, erst recht nicht die innerstädtischen. Hier ist ein Umdenken erforderlich und der Radverkehr bietet hervorragende Möglichkeiten zur Entlastung unserer Innenstädte.
Der Alltagsradverkehr nimmt seit Jahren stetig zu, nicht zuletzt durch den Boom bei Elektrofahrrädern. Diese Verkehrsteilnehmer haben ein Recht auf eine adäquate Fahrradinfrastruktur. Befürwortern des Kfz-Verkehrs wird ja auch zugestanden, dass sie sich ständig mehr Straßen und Parkplätze wünschen. Mit dem Nationalen Radverkehrsplan der Bundesregierung wird seit Jahren der Radverkehr gefördert, wenn auch nicht intensiv genug. Mit der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen – die Stadt Dreieich ist bekanntlich eines der Gründungsmitglieder - wird die Hessische Landesregierung den Radverkehr ebenfalls finanziell und ideell fördern.
Wer nun auf einen Radschnellweg entlang der Bahn als einzige Möglichkeit beharrt und eine Routenführung durch Sprendlingen konsequent ablehnt, wird mit dieser Haltung einer notwendigen Entwicklung des innerörtlichen Radverkehrs einen Bärendienst erweisen. Projekte zur Förderung des Radverkehrs, die das Rad fahren sicherer, komfortabler und damit attraktiver machen und bei denen die Stadt Dreieich nur ein Fünftel der Kosten zu tragen hat, sind eher die Ausnahme und sollten unbedingt realisiert werden. Wie gesagt, der Radschnellweg entlang der Bahn muss damit nicht vom Tisch sein.

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