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20.01.2013 10:39erstellt von: Bernd Kiefer


PM: Radweg Neuhöfer Straße – Provisorium ist keine Lösung

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Dreieich. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC begrüßt jede Initiative, die zu einer frühen Fertigstellung des Radwegs entlang der Neuhöfer Straße führen könnte.


So ist es erfreulich, dass die Bürgermeister von Dreieich und Neu-Isenburg gemeinsam Minister Rentsch drängen, dem Bau eine höhere Priorität einzuräumen.
Auch der Vorstoß der FWG-Dreieich wäre im Sinne der Radler, sofern der kürzlich veröffentlichte Vorschlag die Anforderungen an eine zeitgemäße Ausführung im Focus hätte. Mit einem Radweg „für Arme“, wie er scherzhaft vom ADFC genannt wird, kann man sich bei den Radlern nicht anfreunden. Ein schmaler Pfad entlang des Waldrandes mit einer wassergebundenen Decke könnte von den Verantwortlichen in Wiesbaden (Verkehrsministerium) und Darmstadt (HessenMobil) allzu leicht als vorhandenen Radweg verstanden werden, befürchtet der ADFC. Das würde den nötigen Druck nehmen, nach dreißig Jahren Wartezeit endlich einen zeitgemäßen, sicheren Radweg zu bauen.
Der Radverkehr nimmt stetig zu, im Alltag wie in der Freizeit. Fahrräder mit elektrischem Antrieb verstärken diesen Trend nicht nur, sie machen den Radverkehr auch insgesamt schneller und die Distanzen, die damit überbrückt werden, größer. Dafür muss ein ausreichend breiter Radweg mit asphaltierter Oberfläche her, auf dem sich gefahrlos zwei Radler begegnen können. Der Gesetzgeber sieht dafür eine Breite von mindestens 2,5m, möglichst 3 Meter vor.
Um auszuloten, inwieweit der Planungsprozess beschleunigt werden kann, arrangierte der ADFC-Dreieich ein Treffen mit den Verantwortlichen im Verkehrsministerium und reiste in Begleitung von Vertretern der Städte Dreieich und Neu-Isenburg am 14. November nach Wiesbaden.
Das Gespräch mit dem Leiter des Fachreferats im Hessischen Verkehrsministerium ergab, dass der Radweg wegen der Dringlichkeit kürzlich erneut in das Planungsverfahren aufgenommen wurde.
Diese Dringlichkeit bestätigte bereits Minister Riehl in 2008. Deshalb ist es für den ADFC unverständlich, warum ausgerechnet dieses Projekt von der Liste der geplanten Vorhaben gestrichen wurde, nachdem die Schuldenbremse per Volksabstimmung beschlossen wurde. Wer entschied damals, dass es ausgerechnet den Radweg an der Neuhöfer Straße treffen soll und nicht irgendein anderes Projekt? Wird so etwas in einem Expertenteam demokratisch abgestimmt, entscheidet der Minister im Alleingang oder wird das gar per Auslosung bestimmt? Diese Frage, wie ein solches Verfahren abläuft, wurde dem ADFC bisher ebenso wenig beantwortet, wie die Frage, warum in einem solchen Fall die betroffenen Kommunen nicht direkt informiert werden.
Jedenfalls wurde HessenMobil jetzt aufgefordert, das Ausschreibungsverfahren für den gesetzlich vorgeschriebenen, artenschutzrechtlichen Fachbeitrag einzuleiten. Die Arbeiten dafür müssen sich über eine gesamte Vegetationsperiode erstrecken und können demzufolge nicht vor Herbst 2013 abgeschlossen werden, so sie denn überhaupt in den kommenden Wochen beginnen.
Auch hier stellt sich die Frage, warum vor dem Bau eines Radweges eine solche Untersuchung durchgeführt werden muss, beim vierspurigen Ausbau der B486 zwischen Langen und Mörfelden jedoch laut HessenMobil entfallen kann. Auch auf diese Frage wünscht sich der ADFC eine Antwort.
Wenn es keine artenschutzrechtlichen Bedenken gibt, folgt die Anhörung der drei Grundstücksbetroffenen. Das sind Hessenforst, Straßenbauverwaltung und Hofgut Neuhof. Von dieser Seite werden zwar keine Probleme erwartet, aber ganz auszuschließen sind sie trotzdem nicht.
Wegen der zusätzlichen Versiegelung durch den Asphaltbelag auf 2 km Länge fordert der Gesetzgeber, dass Ausgleichsflächen geschaffen werden. Sie zu finden, könnte ebenfalls ein Risiko darstellen. Deshalb soll u.a. das bereits für den Kfz-Verkehr gesperrte Teilstück der Neuhöfer Straße auf 3,5 m Breite zurück gebaut werden. Da wäre es natürlich nur konsequent, wenn der neu zu bauende Radweg ebenso breit würde. Erfahrungsgemäß ziehen neu gebaute Straßen, z.B. Umgehungsstraßen, zusätzlichen Kfz-Verkehr an. Genauso wird auch ein durchgängiger, sicherer Radweg entlang der L3317 viele zusätzliche Freunde finden. Nicht nur Radler werden hier unterwegs sein, sondern auch Inline-Scater und Fußgänger finden damit eine gute Möglichkeit, das Hofgut Neuhof zu erreichen.
Sollten vor dem Baubeginn Schnitt- oder Rodungsarbeiten am Waldrand notwendig werden, erfolgen diese üblicherweise im Winter, was in diesem Fall 2014/15 bedeutet.
Aufgrund der zuvor beschriebenen Planungsschritte rechnen die Planer damit, dass mit dem Bau nicht vor 2015 begonnen wird. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die anstehenden Landtagswahlen die oben geschilderten Schritte durchaus beeinflussen können.
Für die ADFC-Aktivisten war der Besuch in Wiesbaden aufgrund des Gesprächsergebnisses enttäuschend. Die Behörde hält sich strikt an geltendes Recht und damit an ihre Vorschriften. Früher gebaut werden könnte der Radweg nur, wenn die verantwortlichen Politiker bereit sind, den Ablauf zu beeinflussen. Welche Rolle die Landtagsabgeordneten unseres Landkreises dabei spielen werden, bleibt abzuwarten.


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