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11.11.2020 erstellt von: Oliver Martini


Stellungnahme des ADFC Dreieich zur Raddirektverbindung

Wie kam es zu dem Vorschlag zur Routenführung der Raddirektverbindung (RDV) durch Dreieich – aus der Sicht des ADFC Dreieich.


„Wie erreichen wir, dass mehr Menschen vom Auto umsteigen auf andere, umweltfreundliche Verkehrsmitteln, z.B. aufs Fahrrad?“ So oder so ähnlich lautete wohl die Fragestellung in der Hessischen Landesregierung. Untersuchungen hatten ergeben, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung im Alltag gern häufiger das Fahrrad nutzen würde, wenn die Bedingungen dafür besser wären. Gewünscht wurden insbesondere sichere Radwege, möglichst separat, bzw. Vorrang des Radverkehrs vor dem Kfz-Verkehr.

Im Mai 2014 wurden zwei Planungsbüros von den beteiligten Kommunen und dem Regionalverband damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg zwischen Darmstadt und Frankfurt zu erstellen. Diese wurde von den Planungsbüros Planersocietät, Dortmund, und VIA e.G., Köln, erarbeitet.

Die in der Studie vorgeschlagene Route entlang der Bahnlinie wurde deshalb nicht vorrangig verfolgt, weil zwischen Dreieich und Neu Isenburg zu starke Eingriffe in die Natur nötig wären. Siehe hierzu auch die öffentlich zugängliche Zusammenfassung der Machbarkeitsstudie https://www.region-frankfurt.de/media/custom/3255_66_1.PDF?1565078829

Die siedlungsnahe Route hingegen führt näher an den Wohnorten, Arbeitsplätzen und Schulen der Menschen entlang, für die dieser Radweg gedacht ist, also nicht in erster Linie für die, die bereits heute das Verkehrsmittel Fahrrad intensiv nutzen, sondern die viel größere Zahl Menschen, die es noch nicht tun, aber gern möchten.

Wie die anderen Kommunen entlang RDV, wurde auch die Stadt Dreieich aufgefordert, eine Routenführung durch ihr Gebiet vorzuschlagen, eine Route, die die o.e. Bedingungen erfüllt. Selbstverständlich mussten auch die Anschlüsse zu den Nachbarn Langen und Neu-Isenburg passen.

Diese Aufgabe wurde an den Runden Tisch Radverkehr der Stadt Dreieich gerichtet. Ständiges Mitglied dort ist der ADFC Dreieich e.V., vertreten durch zwei seiner Mitglieder. Diese nahmen sich der Aufgabenstellung an und radelten gemeinsam mit weiteren ADFC-Mitgliedern jene Straßen durch Sprendlingen ab, die von Norden nach Süden führen. Diese wurden in beide Richtungen befahren, mehrfach, ehrenamtlich, in der Freizeit. Schließlich kam man zu dem Schluss, dass keine der möglichen Routen eine ideale Lösung darstellte. Am Runden Tisch stellte man also nicht die beste Route, sondern ausdrücklich die von allen schlechten Möglichkeiten am wenigsten schlechte vor.

Nach intensiver Diskussion am Runden Tisch kam die große Mehrheit seiner Mitglieder zu der Erkenntnis, dass die vorgeschlagene Route trotz aller Bedenken die Lösung darstellte, die die geforderten Bedingungen am ehesten erfüllte. Sie wurde dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie empfohlen.

Auch dort war man nicht restlos überzeugt, akzeptierte aber den Vorschlag, weil man durch Sprendlingen hindurch keine bessere Alternative sah. So kam es schließlich zu dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, der an die Regionalpark SüdWest gemeldet wurde. Diese Gesellschaft war und ist federführend bei der anstehenden Detailplanung, die nach wie vor NICHT in den Händen der betroffenen Kommunen liegt.

Nach wie vor steht der ADFC Dreieich zu einer möglichen Routenführung durch Sprendlingen, denn damit wären die Sprendlinger gut angebunden. Das wäre nicht der Fall bei einer Routenführung westlich der Bahnlinie, denn niemand fährt drei oder mehr Kilometer bis nach Buchschlag, um dort auf die RDV zu stoßen. Von einer RDV westlich der Bahnlinie hätten Dreieicher keinen Vorteil, aber die Stadt müsste trotzdem ihren Anteil bezahlen, weil die Route auf dem Gebiet von Dreieich verläuft.


Noch ein Wort zu den neuen Wegweisern:
Sie wurden im Sommer 2020 aufgestellt. Mit ihnen wurde jedoch NICHT die zukünftige RDV ausgeschildert, denn deren Planung hat noch gar nicht begonnen. Vielmehr gehören die neuen Wegweiser zu dem neu definierten hessischen Radhauptnetz, einer Aktion zur Förderung der Nahmobilität in Hessen.

Unter Beachtung der Aspekte Verkehrssicherheit, Komfort und einer möglichst direkten Routenführung insbesondere für den Alltagsverkehr wurde dieses Netz erarbeitet. Es bildet gemeinsam mit den von Hessen Mobil ausgewiesenen Hessischen Radfernwegen sowie den europäischen und nationalen Radrouten das überregionale Radnetz in Hessen.

Das Radhauptnetz Hessen wird sich weiterentwickeln und beispielsweise die Erfahrungen mit den Radschnellverbindungen und weitere Entwicklungen im Radverkehr in Hessen aufgreifen. Das Radhauptnetz ist über den Radroutenplaner Hessen (https://radroutenplaner.hessen.de/) öffentlich zugänglich.

Neue Wegweiser wurden nicht nur in Sprendlingen aufgestellt, sondern hessenweit, auch dort, wo keine RDV vorgesehen ist. Behauptungen, dass diese Wegweiser bereits die endgültige Route der RDV durch Sprendlingen hindurch markieren, sind spekulativ.



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