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02.08.2020 erstellt von: Dieter Fröhlich


PM: Gedanken der AG-Radverkehr des ADFC Dreieich e.V. zur Radschnellverbindung durch Sprendlingen

Dreieich. Hätte vor 30 Jahren die Hessische Landesregierung angeordnet, einen Fahrradweg zwischen Darmstadt und Frankfurt zu bauen, auf dem Radler Vorrang haben und dass obendrein für diesen Fahrradweg mehrere Millionen Deutsche Mark an Steuergeldern bereitgestellt würden, hätte das vermutlich eine Regierungskrise ausgelöst. Die Mehrheit der Bevölkerung wäre auf die Barrikaden gegangen und die damals noch viele kleinere Gemeinde der Radler hätte sich ungläubig die Augen gerieben.


Zum Glück sind wir heute weiter und wissen, dass unsere bisherige, auf das Auto zugeschnittene Verkehrspolitik, nicht der Weg in unsere mobile Zukunft sein kann.

Eine Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens, insbesondere in der näheren Umgebung – Fachleute nennen es Nahmobilität -, wird erforderlich sein. Die Diskussion um die geplante Fahrradverbindung durch Sprendlingen hindurch zeigt jedoch, wie schwierig das sein kann.

Dabei sind eigentlich keine fundamentalen Veränderungen zu erwarten. Es werden keine Straßen gesperrt oder komplett neu gebaut, keine Häuser abgerissen, keine Menschen umgesiedelt. Lediglich einige Korrekturen an der bestehenden Infrastruktur sind zu erwarten. Öffentliche Straßen und Wege werden etwas anders aufgeteilt als bisher.

Eine konkrete Detailplanung der Radschnellverbindung auf Dreieicher Gebiet kennt niemand, weil sie noch nicht existiert. Stattdessen werden im Vorfeld Bedenken, Befürchtungen und teils wilde Gerüchte geäußert.
Empfehlung an die Kritiker: Genießen Sie per Rad das bereits fertig gestellte Teilstück südlich von Egelsbach und merken Sie sich, wie gut Sie sich dabei fühlen. Radeln Sie anschließend die geplante Route durch Sprendlingen ab und stellen Sie sich dabei vor, was Sie vorher auf der fertigen Teilstrecke empfunden haben. Stellen Sie sich vor, was bisher undenkbar schien, nämlich eine Fahrradroute, auf der Radler zügig, komfortabel und sicher unterwegs sein können, ohne von Kraftfahrzeugen bedrängt zu werden, eine Route, die durch Sprendlingen zwar nicht schnurgerade verläuft, aber deren Kurven so angelegt sind, dass jeder Radler sie locker durchfahren kann, eine Route, auf der Radler fast immer Vorfahrt haben, eine Route, die die vielen Menschen, die heute aus Angst nicht mit dem Rad im Straßenverkehr unterwegs sind, einlädt, das Fahrrad zu nehmen und das Auto stehen zu lassen.

Warum sollte die Strecke durch Sprendlingen nicht ebenso komfortabel zu befahren sein wie das o.e. fertige Teilstück? Klar, die Realisierung der Route durch ein bebautes Gebiet ist komplizierter, aber sollten wir statt zu kritisieren nicht froh sein, dass ein solches Projekt heute möglich ist und nicht belächelt wird, so wie vor 30 Jahren?

Die Corona-Krise führt dazu, dass das Fahrrad eine völlig neue Bedeutung bekommt. In den vergangenen Monaten wurden so viele Fahrräder verkauft wie nie zuvor. Vor fünf Jahren, als die Idee für eine Verbindung zwischen Frankfurt und Darmstadt geboren wurde, wusste das niemand. Diese vielen neuen Räder werden aber nicht nur in der Freizeit auf Wald- und Feldwegen benutzt, sondern auch für Besorgungen des Alltags. Folglich muss die Infrastruktur angepasst werden. Schauen wir in die Lokalteile unserer Zeitungen, so stellen wir fest, dass dort das Thema Radverkehr heute präsenter ist als je zuvor. In nahezu allen Städten und Gemeinden des RheinMain-Gebietes wird über den Ausbau der Alltags-Fahrradrouten nachgedacht und darüber, wie der Radverkehr sicherer als bisher geführt werden kann.

Zugegeben, schaut man sich den Routenverlauf zwischen Frankfurt und Darmstadt auf der Landkarte an, mutet die „Sprendlinger Beule“ etwas seltsam an. Aber sehen wir diese Lösung doch einmal positiv. Diese Route ist für Sprendlinger viel attraktiver, um nach Neu-Isenburg und Frankfurt, oder über Langen Richtung Süden zu gelangen. Eine Routenführung direkt an der Bahnlinie entlang mag für alle, die an Dreieich vorbei Richtung Süden oder Norden wollen, sinnvoller zu sein, aber für viele Radler, die in Dreieich wohnen, wäre sie ein Umweg.

Als vor fünf Jahren die Landesregierung feststellte, dass die Route nicht durchgängig entlang der Bahn verlaufen kann, galt es, eine Alternative zu finden. Mitglieder des ADFC Dreieich beteiligten sich an der Suche nach einer Lösung. Wochenlang überlegten sie, wie der Radverkehr am besten durch Sprendlingen geführt werden könnte. In ihrer Freizeit radelten sie viele Male alle infrage kommenden Straßen und Wege ab. Sogar die August-Bebel-Straße und die anschließende Hegelstraße hatten sie im Auge, zumal hier ohnehin eine Neugestaltung ansteht. Aber diese beiden Straßen zu Fahrradstraßen zu machen, trauten sie sich nicht vorzuschlagen.

Die ADFC-ler waren sich schließlich einig, dass es DIE ideale Route durch Sprendlingen nicht geben kann. Vor Augen hatten sie deshalb eine Route, die eine zügige, sichere, komfortable Fahrt ermöglicht, keine Rennpiste, sondern vielmehr eine, die die vielen Nicht-Radler motiviert, das Fahrrad intensiver zu nutzen als bisher.

Von allen Kompromissen erschien die jetzt gewählte Route als die vernünftigste nach dem Motto: wenn schon nicht direkt entlang der Bahn, dann wenigstens eine mit Vorteilen für die radelnden Dreieicher Bürger*innen.


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