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15.04.2019 erstellt von: Bernd Kiefer


PM: Fahrradklimatest 2018 - Dreieich hebt sich positiv ab

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Dreieich. Die Ergebnisse des bundesweiten Fahrrad-Klima-Tests 2018 sprechen eine deutliche Sprache. Deutsche Kommunen tun sich schwer mit der vielzitierten Verkehrswende.


Eine konsequente Förderung alternativer Mobilitätsformen wie den Radverkehr ist nur in wenigen Städten zu erkennen. Das sahen die 170.000 Radler nicht anders, als sie im Herbst 2018 ihre Wertung abgaben. Und sie müssen es wissen, denn Dreiviertel von ihnen sind täglich mit dem Rad unterwegs.
Die Vermutung liegt nahe, dass bei einer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführten Befragung das Ergebnis von seinen 170.000 Mitgliedern geprägt wird. Tatsächlich aber stellen sie mit einem Anteil von 15% nur einen kleinen Teil der Befragten. Die Gesamtschulnote 4 ist also echt und alles andere als erfreulich.

Erfreulich hingegen ist es, dass Dreieicher Radler ihre Stadt vergleichsweise positiv bewerten, wenn sie sie auch nicht in den Himmel loben. Das freut insbesondere Bürgermeister Martin Burlon. Seit seinem Amtsantritt als Erster Stadtrat vor neun Jahren legte er großen Wert darauf, an den Treffen des Runden Tisches Radverkehr aktiv teilzunehmen. Die teilweise extrem angespannte finanzielle Lage der Stadt ließ zwar lange Zeit keine „großen Sprünge“ bei der Förderung des Radverkehrs zu, aber viele kleine Schritte zeigen dennoch Wirkung, besonders, wenn dennoch mal ein ganz großer Schritt wie die erste Dreieicher Fahrradstraße dabei ist. Seine Reaktion auf die positive Entwicklung gegen den negativen Bundestrend:
„Ein tolles Ergebnis, was mich im Hinblick auf unsere Arbeit am Runden Tisch Radverkehr auch ein bisschen stolz auf das gemeinsam Erreichte macht. Da lohnt sich jede auch manchmal kontroverse Diskussion. Die Abstimmung bot den Radlerinnen und Radlern die Möglichkeit, anonym die eigene, letztlich immer auch subjektive Wahrnehmung zu kommunizieren. Uns auf Platz 10 bundesweit (!) in unserer Städte-Größenklasse zu sehen, ist doch mal ein Wort, auch mit Blick auf das Abschneiden der Kommunen unserer Region, die ja ebenfalls aktiv am Thema arbeiten. Es zeigt, dass wir in den letzten Jahren offenbar auch vieles in Sachen Radverkehrsförderung richtig gemacht haben, aber natürlich können wir noch besser werden und das wollen wir auch!“

Dass der Vorsitzende des ADFC Dreieich nicht minder erfreut ist, ist mehr als verständlich. Immerhin besteht größtenteils seine Freizeit darin, den Radverkehr zu fördern. Der 55 Jährige, der im Außendienst unterwegs ist und schon 1,5 Millionen Autokilometer in seinem Leben zurück gelegt hat, weiß genau von was er spricht. „Mich interessiert Mobilität in jeder Form und ich freue mich immer dann, wenn Menschen ihre Entscheidung bei der Verkehrsmittelwahl vernünftig treffen. Die vernünftige Wahl besonders im Nahbereich, also bis fünf oder zehn Kilometer, ist ganz klar das Fahrrad. Dafür setze ich mich gerne ein, gemeinsam mit einigen ebenso begeisterten und aktiven ADFC-Mitgliedern in der AG Radverkehr, die seit 2007 besteht. Und unserer Arbeit kommt, wie man jetzt sieht, bei den Dreieicher Radlern gut an.
Gemeinsam mit dem Runden Tisch Radverkehr wurden viele Projekte umgesetzt. In unserer Stadtgrößenklasse springen wir auf Platz 3 in Hessen und in Deutschland sogar auf Platz 10, von 311 teilnehmenden Kommunen. Dieses Ergebnis wird uns anspornen, weiter zu machen. Schulnote 3 ist Mittelmaß, wir wollen eine 2. Um dies zu erreichen, wünschen wir uns weitere Mitglieder, die uns unterstützen und den Rückenwind geben, den wir weiterhin dringend brauchen, um Stadtverwaltung und Politik in Dreieich immer wieder aufs Neue davon zu überzeugen, das es sich lohnt, den Radverkehr zu fördern."

Eher etwas differenziert sieht der ehrenamtliche Dreieicher Radverkehrsbeauftragte Dieter Fröhlich die Testergebnisse und die Radverkehrsförderung generell. „Selbstverständlich freue ich mich über das Ergebnis und ich bekam sogar Glückwünsche. Die gebe ich natürlich gern weiter, denn die Fortschritte, die in Dreieich zu beobachten sind, wurden gemeinschaftlich erreicht. Anders geht es ja auch gar nicht.
Und ja, Rang 3 in Hessen und Rang 10 in Deutschland, jeweils in unserer Größenklasse 20 bis 50 Tausend Einwohner hört sich gut an, aber eine Note drei ist gerade mal befriedigend. Das ist nicht gut und schon gar nicht sehr gut. Wir schneiden gut ab, weil die anderen schlechter sind. Das Gesamtbild und die Entwicklung geben Grund zur Sorge. Das wundert mich auch nicht, denn solange Menschen Angst haben und sich scheuen, mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilzunehmen, steigen sie auch nicht um vom Auto aufs Rad. Hier müssen wir dringend ansetzen und sichere Wege für den Radverkehr schaffen. Das gilt auch für Dreieich. Und da wünsche ich mir von Politik und Verwaltung einfach mehr Mut. Es geht nun Mal nicht ohne Konflikte, wenn man wirklich etwas verändern will. Die Förderung des Radverkehrs in einer Automobil-Nation ist ein zähes Geschäft.“

Wer sich für die Testergebnisse interessiert, insbesondere für die Dreieicher Bewertungen, findet sie hier: https://www.adfc-dreieich.de/FKT_2018

Mit fahrradfreundlichen Grüßen
Bernd Kiefer


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